Soziale Netzwerke sind im Trend – trotz Datenpannen und gestohlener Passwörter vertreiben sich Millionen Deutsche tagtäglich die Zeit auf Facebook, Twitter und Co. Die Seiten eignen sich aber nicht nur dazu, mit Freunden, Verwandten und Bekannten in Kontakt zu bleiben. Auch für die eigenen Karriere bieten sie Chancen – allen voran die Business-Plattformen Xing und LinkedIn.

Social-Media-Bewerbungen – Die eierlegende Wollmilchsau für Bewerber?

Aus Bewerbersicht klingt es fast wie ein Traum: Unternehmen übernehmen die Initiative im Bewerbungsprozess und melden sich aktiv mit einem passenden Jobangebot. Unmöglich? Nein, sondern Alltag in sozialen Netzwerken. Das sogenannte Active Sourcing gehört laut einer Monster-Studie bei 20% der Top-1000-Unternehmen Deutschlands zum Recruitment-Prozess fest dazu. In der IT-Branche sind es sogar 40%, Tendenz steigend. Der Fachkräftemangel ist in einigen Branchen so groß, dass Unternehmen gezwungen sind, neue Arbeitskräfte aktiv zu suchen und anzusprechen, bevor womöglich ein Konkurrent das Rennen macht. Das können sich Bewerber zunutze machen. Ein Selbstläufer wird die Jobsuche dadurch aber leider nicht, da nicht in allen Branchen ein Bewerbermangel herrscht und bisher nur wenige Unternehmen diesen Weg wählen.

Erster Schritt: Der Datenschutz

Egal, in welchem sozialen Netzwerken ihr euch anmelden möchtet: bei der Registrierung müsst ihr eure persönlichen Daten angeben. Es ist zwar gerade im Internet verlockend, falsche Informationen anzugeben – allerdings ist es schlecht für die Interaktionen mit Freunden, Bekannten oder geschäftlichen Kontakten. Wer seine Daten bei der Registrierung eingibt, muss damit rechnen, dass Facebook, Xing und Co. diese für Werbezwecke nutzen. Teilweise haben auch Partnerunternehmen der Plattformen Zugriff auf eure Daten. So finanzieren sich die Plattformen – im Gegenzug entstehen euch für die  Nutzung keinerlei Kosten. Am besten lest ihr euch vor Registrierung die Datenrichtlinien der jeweiligen Plattformen durch. Mehr zum Schutz eurer Daten findet ihr beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik.

Wer sieht was? Die eigenen Privatsphären schützen

In den Privatsphären-Einstellungen der Anbieter könnt ihr festlegen, welche Informationen ihr mit anderen Nutzern teilt. Dabei müsst ihr im Zweifel ein paar Kompromisse eingehen. Möchtet ihr Unternehmen und Recruiter auf euch aufmerksam machen, solltet ihr eure Daten und Informationen auch für sie zugänglich machen. Dementsprechend müsst ihr aber auch im Hinterkopf behalten, welche Fotos ihr hochladet und welche Inhalte ihr teilt oder verbreitet. Bilder der letzten Party-Nacht oder die Verbreitung von anstößigen bzw. zweifelshaften Inhalten können euch Karrierechancen auch verbauen. Das Internet vergisst schließlich nicht und selbst Inhalte, die ihr vor einigen Jahren veröffentlicht habt, sind für andere Nutzer noch sichtbar. Verschafft euch zudem einen Überblick, mit wem ihr vernetzt seid und passt euer Profil und die Privatsphären-Einstellungen entsprechend an. Euer Vorgesetzter möchte schließlich nicht lesen, dass ihr aktuell auf Jobsuche seid.

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte

Was bei der klassischen Bewerbung gilt, ist auch beim Social Recruiting förderlich: Wer kein sympathisches Profilfoto besitzt, hat weniger Chancen als die Konkurrenz. Der Recruiter eures zukünftigen Arbeitgebers möchte schließlich wissen, mit wem er es zu tun hat. Mit einem ausdrucksstarken Bild habt ihr die Chance, im Gedächtnis des Profilsbesuchers zu bleiben. Solltet ihr also aktiv auf Jobsuche sein, lohnt es sich, die Bilder von einem Profi anfertigen zu lassen. In den Karriere-Netzwerken Xing und LinkedIn kommt dem Foto noch mal eine größere Bedeutung zu und sollte Sympathie sowie Offenheit vermitteln. Solltet ihr ohnehin Bewerbungsfotos haben oder anfertigen lassen, könnt ihr diese natürlich auch im Internet nutzen.

Karriere-Netzwerke Xing und LinkedIn als erste Anlaufstelle für Recruiter und Wechselwillige

Auch wer nicht in einem der sogenannten Mangelberufe arbeitet, kann mit einem gut gepflegten und aussagekräftigen Profil Unternehmen auf sich aufmerksam machen. Primär sind Xing und LinkedIn die ersten Anlaufstellen der Recruiter, um nach möglichen Kandidaten Ausschau zu halten. Habt ihr dort bisher noch keine Profile angelegt, ist jetzt der Zeitpunkt dies zu ändern. Auf beiden Plattformen könnt ihr eure beruflichen Stationen und eure Fachkenntnisse angeben, ähnlich zum tabellarischen Lebenslauf in Papierform. Der Vorteil in den Netzwerken: ihr könnt die vorgegebenen Kategorien nutzen oder das eigene Profil individuell gestalten, um aus der breiten Masse hervorzustechen. Schaut euch im Vorfeld einige Stellenanzeige aus eurem Berufsfeld an und achtet vor allem auf die Voraussetzungen bzw. Anforderungen. Sollten dort Schlüsselbegriffe wiederholt auftauchen, solltet ihr diese auch unbedingt in euer Profil aufnehmen, denn danach suchen die Recruiter. Die Angaben sollten natürlich wahrheitsgemäß sein. Qualifikationen anzugeben, die ihr gar nicht besitzt, ist keine gute Idee und wird spätestens im Bewerbungsgespräch auffallen.

Auf dem Laufenden bleiben und aktiv werden

Hauptbestandteil aller Social-Media-Plattformen ist das Netzwerken. Dementsprechend solltet ihr euer persönliches Netzwerk laufend ausbauen und das eigene Profil möglichst aktuell halten. Fangt mit den persönlichen Kontakten an und durchstöbert auch deren Kontakte. Eine persönliche Nachricht mit dem Grund der Kontaktaufnahme kommt zudem meist besser an als eine kommentarlose Einladung. Es kann zudem auch nicht schaden, in Gruppen selbst aktiv zu werden und andere Mitglieder mit den gleichen Interessen in das eigene Netzwerk zu holen. Das macht euch auch für Recruiter oder Personalverantwortliche interessant. Wer die sozialen Netzwerke ausschließlich passiv nutzt, wird leicht übersehen.

Fazit

In viele Branchen fehlen Fachkräfte und immer mehr Unternehmen gehen dazu über, sich aktiv auf die Suche nach geeigneten Kandidaten zu machen oder sie heuern Recruiter an, die ihnen diese Aufgabe abnehmen. Auch wenn das sogenannte Active Sourcing in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, bieten Online-Profile – vor allem auf Xing und LinkedIn – durchaus Karrierechancen für Bewerber. Zwar können die Vernetzungen in den sozialen Netzwerken persönliche Kontakte nicht ersetzen, dafür ist es vergleichsweise einfach, sich mit anderen Personen auszutauschen. Allerdings ist es allein mit der Profil-Erstellung nicht getan. Wer beruflich davon profitieren möchte, muss Zeit investieren, um das eigene Profil aktuell zu halten, die beruflichen Stationen beziehungsweise die eigenen Kompetenzen aufzuzeigen und sich mit den passenden Mitgliedern der jeweiligen Community zu vernetzen. Und selbst wenn es nicht klappt, dass sich ein Personal mit einem Jobangebot meldet, kann ein gut gepflegtes Profil auch bei einer klassischen Bewerbung unterstützen und den Ausschlag zu euren Gunsten geben.