Berufe, die vom Aussterben bedroht sind – Bergleute

In unserer Reihe „(Fast) vergessene Berufe“ stellen wir euch Berufe vor, die heute kaum noch bekannt sind oder aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung bald in Vergessenheit geraten werden. Spätestens seit der Industriellen Revolution im 18. Jahrhundert hat sich die Arbeitswelt stark verändert. Viele Berufe sind verschwunden, neue entstanden und einige haben sich weiterentwickelt und angepasst. Die fortschreitende Digitalisierung, neue Technologie oder ein verschobenes Umweltbewusstsein sorgen für die nächste Zäsur im Arbeitsalltag. So geht die Ära des Steinkohleabbaus im Ruhrgebiet Ende 2018 zu Ende, wenn dort das letzte aktive Steinkohlen-Bergwerk seine Tore für immer schließt und die Bergleute wehmütig auf 200 Jahre Steinkohleabbau zurückblicken.

Der Beruf des Bergmanns stirbt in Deutschland aus

Im Ruhrgebiet stirbt damit eine Tradition aus. Großväter, Väter und Söhne haben oftmals in der gleichen Zeche gearbeitet und ihr Wissen von Generation zu Generation weitergegeben. Der oftmals als schmutzig bezeichnete Energieträger Kohle hat das Ruhrgebiet zu einem der wichtigsten Wirtschaftsstandorte Deutschlands gemacht und vielen Menschen Arbeit gegeben. In der Hochzeit arbeiteten rund 600.000 Bergleute in den Zechen der Region. Doch der Abbau von Kohle im Ruhrgebiet ist schon lange nicht mehr wirtschaftlich, importierte Kohle ist um ein vielfaches günstiger. Nur mir Fördergeldern konnte sich die Branche halten. Aktuell gibt es im Ruhrgebiet deshalb nur noch knapp 5.000 „Kumpel“, Ende des Jahres werden es noch 3.500 sein. Auch wenn es im Bergbau verschiedene Berufe gibt, steht der Bergmann stellvertretend für die gesamte Branche. Aufgrund der körperlich anstrengenden und gefährlichen Arbeit übten und üben weit mehr Männer als Frauen diesen Beruf aus. Da der Abschied von der Kohle schon seit den 1990er-Jahren eingeläutet wurde, sind die meisten Bergleute auf das Ende ihrer Beschäftigung vorbereitet. Die meisten der rund 3.500 verbliebenen Bergleute werden in den Ruhestand beziehungsweise Vorruhestand gehen. Aber auch die restlichen Kumpel müssen sich nur wenig Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen. Nach dem aktiven Abbau der Kohle werden einige von ihnen noch gebraucht werden. Maschinen und Ausrüstungsgegenstände müssen unter Tage zerlegt und wieder an die Oberfläche gebracht werden. Diejenigen, die dem Bergbau den Rücken kehren müssen, werden in neue Jobs vermittelt. Dennoch wird das Ende der Steinkohle-Ära im Ruhrgebiet bei vielen Einwohnern der Region eine große Lücke und viel Wehmut hinterlassen.

Folgen des Bergbaus kosten jedes Jahres hunderte Millionen Euro

Die Folgen des Kohleabbaus für das Ruhrgebiet sind ungleich dramatischer. Auch nach der Schließung der letzten Zeche muss die Ruhrregion dauerhaft vor Überflutung geschützt werden. Einige große Gebiete sind aufgrund des Bergbaus bereits um mehrere Meter abgesacktt. Zusätzlich muss das Grubenwasser zum Schutz des Grundwassers bis in alle Ewigkeit abgepumpt werden. Die Pumpen im Ruhrgebiet müssen jährlich 100 Milliarden Liter Grubenwasser abpumpen. Die Kosten liegen bei mehr als hundert Millionen Euro pro Jahr.