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Me, myself and AI #01: “Alexa, was ist denn eigentlich KI?”

von am

An Künstlicher Intelligenz scheiden sich die Geister: Während smarte Technologien schon längst Einzug in unseren Alltag erhalten haben, diskutiert man in Kreisen der Entwicklung, Unternehmen und Sozialwissenschaft über mögliche Gefahren und unmögliche Utopien einer Super-KI. Weil sich das Thema mit einem einzigen Artikel nicht erschöpfen lässt, geben wir hiermit den Startschuss für unsere neue Reihe: Me, myself and AI.

Im Comic-Stil hält ein humanoider Roboter einen menschlichen Schädel in der Hand und imitiert so die berühmte Hamlet-Szene plus Phrase: To be or not to be.
Die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz wirft auch philosophische Fragen auf. Quelle: Shutterstock.

KI: Mehr als ein Forschungsgebiet.

Im weiten Feld KI kann es leicht passieren, die Orientierung zu verlieren, denn es gibt nicht nur eine Vielzahl verschiedener Unternehmen, die sich mit jeweils ganz unterschiedlichen Teilbereichen befassen, hinzu kommt auch noch, dass das Thema in der Öffentlichkeit heiß diskutiert wird. Prominente Stimmen wie Elon Musk äußern Ängste, während gleichzeitig auf der anderen Seite verheißungsvolle Versprechungen an die Entwicklung Künstlicher Intelligenz geknüpft sind. Ob Segen oder Fluch - KI scheint beides in sich zu bergen. Ein großer Teil der Diskussion über die sogenannten “Gefahren”, die von KI-Technologie ausgehen sollen, stellt oft die sachlichen Diskussionen darüber in den Schatten. In der Gesellschaft sind smarte Technologien bereits angekommen Lernfähige Algorithmen werden vielseitig eingesetzt, Siri, Alexa und Co. sind hier nur die bekanntesten. In vielen Bereichen ist heute Software sehr erfolgreich im Einsatz, deren Intelligenz auf Konzepten wie Deep Learning oder künstlichen neuronalen Netzen beruht.

Zitattafel: Eric Schmidt positioniert sich als großer Befürworter von KI, während Elon Musk sich sorgenvoll äußert.
Weiter könnten diese beiden Meinungen nicht auseinander liegen. Quelle: Eigene Grafik.

Wall-E, Terminator oder Clearview? Technologien, die polarisieren.

Informationsquellen wie Wikipedia beschreiben KI als Technologie, die intelligentes Verhalten automatisiert und sich mit maschinellem Lernen befasst. Das Phänomen der Intelligenz selbst bleibt in dieser Definition allerdings relativ unterbelichtet. Dabei ist es gerade dieses, das Laien wie Fachleute besonders fasziniert, immerhin war die Intelligenz bislang unser USP als Menschen. Mit dem Versuch, diese zu synthetisieren, kratzt man automatisch an einer wichtigsten Säulen der Conditio Humana. So kommt es, dass sich nicht nur Fachleute aus dem Bereich Computer Science am KI-Diskurs beteiligen, sondern ebenso Stimmen aus der Soziologie, Philosophie und Politik wichtige Impulse beisteuern.

Die Faszination für den künstlichen Menschen befeuert die Fantasie vieler Leute. Schon Frankensteins Monster gehört zwar eher in den Bereich der Medizin, trifft aber denselben Nerv des künstlichen Menschen, der auch heute im Kontext von KI verschiedenste Gefühle weckt. Diese spiegeln jedoch mehr die gesellschaftliche Wahrnehmung wider als den technologischen Status Quo. Das Misstrauen KI gegenüber nährt sich aus Vorstellungen, wie sie unter anderem in Science-Fiction-Filmen vorkommen und vergisst vielleicht, dass kurz- bis mittelfristig eher Software, die etwa autonom Gesichter erkennt, Autos steuert oder Waffen abfeuert die Leben vieler Menschen beeinflussen wird.

In einer Wand eingelassen sind neben den Türen für eine Damen- und Herrentoilette auch eine für Roboter. Zu erkennen an den typischen Piktogrammen auf den Türen.
Es ist kompliziert... Wenn der Mensch Maschinen nach seinem Ebenbild erschafft, muss er sich mit dem Original auskennen. Quelle: Shutterstock.

Für die Kritik an KI spielt die sogenannte Super-KI eine bedeutende Rolle. Als gottgleiche Weiterentwicklung aus starker KI, welche selbst bislang noch nicht erreicht wurde, firmiert sie als Instanz ewiger Versklavung oder gar Auslöschung der Menschheit. Tatsächlich gibt es darüber hinaus auch sehr viel konkretere Kritik an bestehender KI-Technologie. Viele sehen beispielsweise ein Problem darin, dass sie große Datenmengen auswerten kann und diese Fähigkeit längst eingesetzt wird. Kritiker wähnen hier Mechanismen des Orwellschen “Großen Bruder” angelegt. Ein weiteres Problem besteht darin, dass KI häufig Vorurteile hat, weil sie von Menschen programmiert und trainiert wurde. Das größere Problem besteht allerdings in Datensätzen, in denen sich bereits Vorurteile abbilden. Dieser “Bias” kann KI zum Nachteil bestimmter Personengruppen beeinflussen. Auch werfen immer intelligentere Maschinen drängende Fragen in Bezug auf Verantwortung und Rechenschaft auf: Wer haftet für einen Unfall, den eine KI verursacht hat? Brauchen intelligente Maschinen und Software eigene Rechte?

Ausblick

Trotz aller Kritik scheint es zuweilen, dass die KI-Forschung gerade erst Fahrt aufnimmt und es ist schwer absehbar, in welche Richtung sie sich in Zukunft entwickeln wird. Und obwohl und vielleicht gerade weil das Thema Künstliche Intelligenz so viele Fragen aufwirft, sollte unbedingt darüber geredet werden. Denn auch falls irgendwann die Maschinen klüger und mächtiger als wir Menschen werden sollten, das sachliche Streitgespräch war schon immer ein gutes Mittel gegen Entmündigung und Dummheit. Deshalb laden wir unsere geneigte Leserschaft herzlich ein, uns in den kommenden Monaten auf unserer perspektivenreichen Annäherung an das kontroverse Thema zu begleiten. Zuerst geht es in Artikel #02 natürlich um die Technologien hinter dem Ganzen.