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Weit mehr als nur Tracing. Auf welche Pandemie-Apps die Welt setzt.

von am

In den Schlagzeilen und News-Tickern der letzten Wochen fielen neben den Stichpunkten “Corona” und “Covid-19” auch immer wieder unscharfe Begriffe wie “Corona-App”. TEMPTON Next Level hat schon Licht ins technische Dunkel der innerdeutschen App-Diskussion gebracht. Hier nehmen wir nun die Ansätze verschiedener Nationen unter die Lupe.

Symbolbild für eine Corona-Tracing-App
Viel diskutiert, noch wenig erprobt. Die Welt spricht über Pandemie-Apps. (Bild: Shutterstock)

Eine App gegen/für/zu Corona?

Zunächst mal: Was heißt “Corona-App”? Es gibt mittlerweile Apps, die uns dank Daten von Google Maps etc. anzeigen sollen, wie voll ein Laden gerade ist, in dem wir alsbald mit Maske vermummt unseren Besorgungen nachgehen wollen. Das erleichtert uns den Pandemie-Alltag und hilft den Menschen, Abstand zu halten. Die Nutzung ist eine Sache zwischen Nutzern und Betreibern. Das kann man im Moment als “Corona-App” betiteln, ist aber nicht das, worüber sich alle gerade so schön aufregen.

Gemeint sind natürlich mobile Applikationen, die flächendeckend eingesetzt werden sollen, um die Pandemie unter Kontrolle zu halten oder gar einzudämmen. Auch freiwillige Datenspende-Apps wie die des RKI bleiben da außen vor, da die durch Fitness-Tracker gesammelten Vitaldaten zwar der Forschung dienen, aber unnütz für aktives Vorgehen gegen Infektionsketten sind. Und genau das ist ja das Ziel einer App, die Gesellschaften und Staaten im Umgang mit einer Pandemie unterstützen soll: Infektionen erkennen, um Infektionsketten zu unterbrechen oder im Keim (Achtung: Wortspiel!) zu ersticken.

Dabei sind sich hierzulande Experten aus Medizin, Naturwissenschaften, Technik und Behörden bei einer Sache übrigens ziemlich einig: Eine App muss Teil einer Gesamtstrategie sein. Ein Mobile App allein wird uns nicht retten. Das könnten nur wirksame Medikamente und Impfstoffe. Sie kann Behörden und Bürger*innen lediglich bei Maßnahmen unterstützen. Ist eine Gesamtstrategie unwirksam, wird eine App die Kohlen nicht aus dem Feuer holen. Wichtig ist vor allem auch, dass möglichst viele Menschen die App benutzen. In deutschen Medien geisterten Zahlen herum, dass mindestens 60 oder 70 % der Einwohner*innen die App nutzen müssten, um die gewünschte flächendeckende Wirkung zu erzielen. Bei einer freiwilligen Nutzung setzt dies natürlich Vertrauen in die Technik voraus.

Wo bin ich? Wo war ich? Mit wem war ich?

Symbolbild zu Positionsdaten eines Smartphones.
Positionsdaten, Bewegungsdaten, Kontakdaten – unser Smartphone erfasst viele Informationen unseres Lebens. (Bild: Shutterstock)

Will man Infektionsketten nachverfolgen können, kommen Daten ins Spiel, die unsere Smartphones fleißig ausspucken und die je nach installierten Apps und Datenschutzeinstellungen auch gerne von Unternehmen gesammelt werden. Dabei kommen wir dann gleich zur nächsten wichtigen Unterscheidung: Kontaktdaten, Standortdaten und Bewegungsdaten.

Bewegungsdaten werden erhoben, indem ausgewertet wird, bei welchen Funkzellen ein Gerät angemeldet war. Dies sind Metadaten, auf die unsere Netz-Provider Zugriff haben. Bekannt ist das Prinzip etwa aus der sonntäglichen Ermittlungsarbeit des favorisierten Tatort-Teams. Man kann so feststellen, in welchem Sendebereich ein Handy sich befunden hat und in welche andere es gewechselt ist. Daraus kann man Bewegungen ableiten. Dies sind aber höchst ungenaue Daten. Im Zweifel weiß man nur, dass ein Handy sich grob im gleichen Viertel einer Großstadt wie ein anderes aufgehalten hat. Für die gezielte Identifizierung möglicher Ansteckungen unbrauchbar und nach dem deutschen Verständnis von Datenschutz ein schwerer Eingriff in die Privatsphäre.

Kommen wir zur Auswertung von Daten, von denen selbst Tatort-Kommissare ohne Zugriff auf das betroffene Handy nur träumen können: die Positionsdaten. Das sind die Koordinaten, die unser Smartphone per GPS errechnet, indem es die Signale möglichst vieler entsprechender Satelliten auswertet. Diese Daten können je nach Signalqualität ziemlich genau sein. Unser aktueller Aufenthaltsort und vergangene Positionen können bis auf ein paar Meter genau erfasst und nachverfolgt werden. Diese Daten nutzen alle Apps, die uns standortbezogene Informationen liefern wollen, etwa Navigationsprogramme, Wetter- oder ÖPNV-Apps. (Und einige unseriöse Applikationen!) Allerdings ist das selten bis auf 1,5 m - 2 m Tröpfchenspuckweite genau und auch ob App-User im selben Raum waren, ist so nicht sicher. Auch hier ist der Nutzen für eine wirkungsvolle Pandemiebekämpfung begrenzt und der Datenschutz problematisch.

Die letzte mögliche Form von Daten, mit denen Infektionswege nachgezeichnet werden können, sind die Kontaktdaten. Dafür müssen Mobiltelefone speichern, wenn sie in der Nähe von anderen Mobiltelefonen gewesen sind. Diese Methode wurde bisher kaum eingesetzt. Als beste Möglichkeit dafür hat sich mittlerweile Bluetooth Low Energy (BLE) herauskristallisiert. Mit dieser Technik können sich zwei Handys kurzzeitig verbinden und Identifikationsnummern austauschen. Das funktioniert tatsächlich nur über kurze Distanzen bis etwa 2 m und nicht durch Wände. Ist dies also geschehen, hatten die Handybesitzer vermutlich Kontakt, der nah genug war, um Viren zu übertragen.

Tracking oder Tracing?

Hand die Handy mit Corona-App hält. Symbolbild.
Muss dies wirklich die Wahl sein, die man in der Krise hat? Alles eine Frage der Technik! (Bild: Shutterstock)

Auf die letzte Variante konzentrieren sich die sogenannten Tracing-Apps. (tracing = Rückverfolgung). Das Prinzip hat Bylle Bauer bestens erläutert. Es werden nur die Kontaktsituationen gespeichert, im besten Datenschutzfall anonymisiert ohne Ort, Namen oder ähnliches, und bei Bedarf werden Kontaktpersonen von Covid-19-Infizierten gewarnt. Idealerweise werden diese Kontaktdaten dezentral auf den Handys gespeichert anstatt auf zentralen Servern. Genau diesen Ansatz verfolgen die Giganten Google und Apple, die gerade ihre mobilen Betriebssysteme entsprechend anpassen. Und auch die App, die ein Open-Source-Projekt um T-Systems und SAP gerade im Auftrag der Bundesregierung entwickelt, setzt hier an. Hierzulande soll dieser Ansatz natürlich auch auf Freiwilligkeit beruhen.

Darauf wollen sich aber nicht alle Staaten mit App-Projekten in der Pandemiebekämpfung verlassen und auch beim Tracing-Ansatz bleibt es in einigen Nationen nicht. Wird hierzulande noch darüber gestritten, welche Daten genau “personenbezogen” sind, werden in anderen Teilen der Welt längst Menschen im Namen der Gesundheit mit Tracking-Apps überwacht (tracking = Verfolgung). Dafür werden dann Positions- und Bewegungsdaten eingesetzt und weiterverarbeitet. Auch bei Prävention oder Warnung vor möglichen Ansteckungen bleibt es häufig nicht. Einige Länder setzen etwa auch direkt bei der Bewegungsfreiheit der Infizierten selbst an. Ein Blick auf ein paar Regionen und deren interessante technische Lösungen lohnt sich also.

Südkorea – Anruf vom freundlichen Gesundheitsbeamten

Häufig wird Südkorea hierzulande als strahlendes Vorbild im Umgang mit der Corona-Pandemie genannt. Dies hat wohl zwei Gründe: Erstens kann sich das Land niedrige Reproduktions- und Infektionszahlen auf die Fahnen schreiben – und das ohne Ausgangs- oder Kontaktsperren. Zweitens ist Südkorea auf den ersten Blick Deutschland sehr ähnlich: Industrienation, erfolgreiche Exportwirtschaft, etwa 50 Millionen Einwohner, funktionierende Demokratie. Eine App wurde landesweit längst eingeführt und verwendet sowohl Tracing- als auch Tracking-Methoden.

Besonders in das Leben Infizierter greift das System mit Hilfe der Technik rigoros ein. Diese bekommen eine ID und müssen dreimal täglich Biodaten wie die Körpertemperatur in die App eingeben. Wird dies einmal unterlassen, ruft ein freundlich besorgter Beamter auf dem Handy an. Die Kontakt- und Standortdaten fließen im System mit anderen persönlichen Daten zusammen, wie etwa Kreditkartendaten. Berichten zufolge soll das System etwa App-User in einem Laden vor möglicher Ansteckung warnen, sollte ein*e Covid-19-Patient*in dort gerade mit der Kreditkarte bezahlt haben. Auch Daten aus staatlichen Überwachungskameras werden hinzugezogen. Es soll zudem schon Vorfälle gegeben haben, in denen durch die umfangreiche Datenüberwachung Privates offengelegt wurde, wie etwa heimliche Affären.

Ob die App der Schlüssel zu Südkoreas Erfolg ist, ist schwer zu beurteilen. Das Land schottete sich, gewarnt durch seine Erfahrungen mit der MERS-Pandemie in 2015, früh ab, dämmte Infektionen rigoros ein und führte schnell Massentests ein. Südkoreas Gesellschaft prägt ein großer Technik- und Fortschrittsglaube, gepaart mit einer hohen Priorisierung von Wirtschaft und Sicherheit in der öffentlichen Meinung. Dies könnten zwei der Gründe sein, warum die öffentliche Meinung in Südkorea diesen Eingriff in die individuelle Privatsphäre zu akzeptieren scheint.

China – Bei Rot Hausarrest, bei Grün gehen

Zwar sind in der Volksrepublik Pandemie-Regelungen und -Apps von Provinz zu Provinz und Stadt zu Stadt unterschiedlich, alle Chines*innen eint aber eins: Statistisch gesehen besitzt fast jede*r ein Smartphone. Selbst auf dem Land ist die Netzinfrastruktur relativ gut ausgebaut. Dazu kommt, dass fast jede*r mindestens einen der App-Dienste der zwei staatsnahen Tech-Giganten Tencent und Alibaba nutzt. Die bieten gebündelt Dienste à la Facebook,Twitter, WhatsApp und Amazon an. Besonders ohne die Bezahl-Apps wie Alipay kommt man in China im Alltag nicht mehr weit. Daten werden dabei massenweise gesammelt und sehr wahrscheinlich auch durch den Staat genutzt – bis hin zu Ansätzen von Social Scoring. Auf diesen Diensten bauen seit Wochen nun auch die mobilen Anwendungen der Regionen zur Pandemie-Bekämpfung auf.

Die Apps werden mit einem persönlichen Identitätsausweis, wie etwa dem Reisepass verknüpft. Die Nutzer müssen sich über einen der Dienste bei diesen sogenannten Gesundheitsdiensten registrieren und ihre lokale Corona-App herunterladen. Diese sind mit den Big-Data-Systemen der Konzerne und Behörden verbunden. So errechnet die App für den User stets die aktuelle Corona-Gefährdung und erstellt QR-Codes aufgrund von Bewegungsprofilen, sozialem Umfeld, Krankenakten und weiteren Daten. Die Codes sind wie bei einer Ampel grün, gelb oder rot und müssen beim Betreten öffentlicher Gebäude und Geschäfte sowie des ÖPNVs und bei Reisen zwischen Regionen vorgezeigt werden. Sicherheitskräfte können das Vorzeigen stets verlangen und ohne Smartphone kommt man nirgendwo rein oder hin. Grün bedeutet dabei Reisefreiheit, gelb Vorsichtsmaßnahmen wie etwa Quarantäne und durch Rot gilt man als Covid-Fall – inklusive Hausarrest. Transparent oder nachvollziehbar sind die Systeme nicht. Kritiker und Menschenrechtsaktivisten fürchten zudem, dass die Überwachung im Namen der Gesundheit in Zukunft zur Normalität werden könnte.

Symbolbild zur Handy-Ortung.
Manch ein Staat setzt während der Corona-Pandemie auf volle Überwachung per Tracking. (Bild: Shutterstock)

Russland – Ausgangssperre und Zwangs-Selfies

Putin erklärte Pandemie-Maßnahmen wie Corona-Apps nach Ausbruch der Seuche schnell zur Sache der Lokalregierungen. Besonders in Großstädten wie Moskau herrscht seitdem eine strikte Ausgangssperre. Nur in medizinischen Notfällen, für besondere Berufsgruppen oder für notwendige Einkäufe gelten Ausnahmen. Überwacht wird dies häufig mit Monitoring- und Tracking-Apps, die oft mit Meldedaten und digitalen Passierscheinen gekoppelt sind. Auch hier kommen in vielen Regionen QR-Codes zum Einsatz. In Moskau stellt die Stadt handylosen Bürger*innen dafür sogar Leihgeräte zur Verfügung. Besonders Infizierte stehen dabei unter gesonderter App-Überwachung. Hier verlangen Apps gar regelmäßige Selfies, um zu beweisen, dass das Smartphone stets in Reichweite ist. Dazu muss erläutert werden, dass die Strafen gegen Verstöße der Corona-Gesetzte drakonisch sein können. Bricht man etwa Quarantäne-Regeln, droht gar Gefängnis. Russlands Maßnahmen sind ein Flickenteppich und Gesetze, Regeln und Informationslage undurchsichtig. Regierende ändern Meinungen und Regeln teilweise von einem Tag auf den anderen. Auch in Russland werden die neuen Überwachungsmaßnahmen mit den bestehenden kombiniert und Kritiker fürchten, dass diese auch nach Corona bestehen bleiben.

Israel – Staatsfeind Coronavirus

Die zivile staatliche App namens “HaMagen” (“der Schutzschild”), gleicht Handydaten mit Daten der Gesundheitsbehörden ab. Etwa 20 % der Bürger*innen nutzen die App freiwillig. Darüber hinaus richtet die Infrastruktur der Anti-Terror-Überwachung ihr Augenmerk seit Wochen auf die Pandemie und die eigenen Bürger*innen, um Menschen, die mit Infizierten in Kontakt gekommen sein könnten, per SMS zu warnen.

So ist ein flächendeckendes Tracking per Geo- und Bewegungsdaten durch den Inlandsgeheimdienst Shin Bet gerade Gegenstand öffentlicher Empörung und ein Fall vor Israels oberstem Gericht. Ein Pandemiegesetz der Regierung hatte diesen dazu ermächtigt. Der Geheimdienst hat u.a. die technischen Möglichkeiten, GPS-Daten, Bewegungsdaten, Handysensoren und E-Mails auszuwerten. Zudem plant die Regierung seit letzter Woche eine Tracking-App, die verpflichtend für den Besuch von Märkten und Einkaufszentren sein soll. Die Marktbetreiber müssen Berichten zufolge dafür Trackingtechnologie installieren, um wieder öffnen zu können. Die Diskussion um die israelischen Maßnahmen scheint dem Land noch eine Weile erhalten zu bleiben.

Vereinigtes Königreich – Tracing mit Sonderweg

Das Noch-EU-Mitglied testet gerade eine auf Freiwilligkeit beruhende App auf der Isle of Wight, um diese danach im gesamten Staatsgebiet auszurollen. Es handelt sich bei der Anwendung des staatlichen National Health Service um eine Kontakt-Tracing-App per BLE. Allerdings hat sich die britische Regierung bereits vor Wochen auf eine Architektur mit zentraler Speicherung der IDs festgelegt und muss diese darum nun ohne die umfassende Unterstützung von Apple und Google umsetzen. Nutzer können der App mögliche Symptome, die sie an sich selbst beobachten, oder eine gesicherte Diagnose mitteilen. Diese warnt daraufhin User mit erfassten Kontakten. In UK tobt aufgrund des zentralen Ansatzes eine öffentliche Debatte um Datenschutz und Sinn- und Unsinn eines Ansatzes abseits der Pläne der Tech-Riesen.

Österreich – Der Nachbar legt vor

Symbolbild zu digitalem Handschlag der österreichischen Corona-Tracing-App.
Das Österreichische Rote Kreuz nennt die Kontakt-Ermittlung seiner App "digitaler Handschlag". (Bild Shutterstock, Bearbeitung: Jörg Kitz)

Unser Nachbar kann als ein Vorreiter des Tracing-Ansatzes mit dezentraler Speicherung auf den Smartphones selbst gesehen werden. Die Alpenrepublik verfügt seit März über eine entsprechende App nach einem eigenen entsprechenden Ansatz (der bald voll zu DP-3T geupgradet wird), die auf Freiwilligkeit beruht, mit der die nationalen Datenschützer einverstanden sind und die von der Bevölkerung akzeptiert wird. Der Staat hielt sich nach Bedenken in der Bevölkerung weitestgehend aus Entwicklung und Betrieb heraus, so dass die App in der Verantwortung des Österreichischen Roten Kreuz liegt. Die App gilt zudem als äußerst genau, da sie neben BLE auch Ultraschall per Handy-Lautsprecher und -Mikrofon zur Abstandsmessung verwendet.

Wer positiv getestet wurde, erhält vom zuständigen Gesundheitsamt eine TAN, mit der man die anonymen Kontakt-IDs zum Server schicken kann. Die Apps möglicher Betroffener erhalten diese Information und zeigen eine Warnmeldung. Bisher wurde die TAN per SMS versandt, was als letzte mögliche Lücke der Anonymisierung galt. Dies wurde nun durch eine Übermittlung per Token-Datei ersetzt. Der große Bruder Deutschland muss eingestehen, dass Österreich ihm hier eine Nasenlänge voraus ist – auch in Sachen Datenschutz und Bürger-Akzeptanz. Warum man sich bei dem eigenen Projekt nicht längst an Österreich orientiert, bleibt eine Frage, die der hiesigen Politik zu stellen ist.

Die Tracing-Welt ist gespalten.

Während manche Nationen Tracking-Tatsachen schaffen, Deutschland diskutiert und Österreich längst beweist, wie Tracing und Datenschutz zusammengehen können, unterteilen sich viele demokratische Industrienationen in die Tracing-Lager “zentral” und “dezentral”. Ähnliche Ansätze wie UK fahren etwa Australien, Indien und Frankreich. Die Grande Nation soll gar von Google und Apple ein Umdenken bezüglich deren dezentralem Ansatz gefordert haben – vermutlich wenig aussichtsreich. Auch Norwegen setzt auf Tracing mit zentraler Speicherung, sogar in Kombination mit Geo-Daten-Tracking. Dies führte allerdings zu Kritik der eigenen staatlichen Datenschützer und einer niedrigen Teilnahmerate von etwa 20 % der Bevölkerung. Dem Tracing-Ansatz dezentraler Speicherung von Google und Apple wollen nach eigenen Angaben unter anderem Polen, Italien, Schweiz, Lettland, Estland, Finnland, Irland und Kanada folgen.

Pandemie-Apps – Modelle für die Zukunft?

Das Thema wird in den nächsten Jahren weltweit aktuell bleiben. Covid-19 war nicht die erste Pandemie und wird nicht die letzte gewesen sein. Technologische Antworten auf Seuchen zu finden, ist also nicht nur ein Thema für die aktuelle Situation. Eine Beurteilung, welche Apps am besten gegriffen haben, wird schwer werden, da die verschiedenen Nationen und Regionen grundsätzlich verschieden (erfolgreich) in der Pandemiebekämpfung verfahren. Entscheidend ist, dass die jeweilige App zur lokalen Gesamtstrategie passt und den lokalen Gegebenheiten entspricht. Wichtig, gerade für Demokratien, bleibt das Spannungsfeld zwischen Gesundheit/Sicherheit und Bürger- und Menschenrechten. Hier wird sich zeigen müssen, ob Gesellschaften Antworten finden, die mit den eigenen Werten in Einklang zu bringen sind, und ob mögliche Zwangsmaßnahmen durch Staaten nach den akuten Bedrohungslagen für das Allgemeinwohl wieder zurückgenommen werden. Deutschland und die meisten EU-Staaten folgen mit DP-3T jedenfalls grundsätzlich dem Ansatz, der in Sachen Privatsphäre und Daten den maximalen Schutz verspricht. Eine Wirksamkeit in der Pandemie-Kontrolle wird natürlich jede Corona-App erst beweisen müssen.