Die Digitalisierung ist in aller Munde. Die Politik spricht über sie, die Industrie spricht über sie und auch die Bevölkerung spricht darüber und erwartet automatisierte Prozesse in immer mehr Bereichen des alltäglichen Lebens. Digital ist die neue Norm. Für Unternehmen besteht die Hauptaufgabe darin, ihre potenziellen Kunden zu verstehen, ihre Wünsche und Bedürfnisse im Vorfeld zu erkennen und sie so an sich zu binden. Während große Konzerne und Unternehmen in Sachen Digitalisierung schon große Fortschritte gemacht haben, hinkt der Mittelstand laut einer Studie der KfW Bankengruppe hier stark hinterher. Warum sich deutsche Unternehmen bei der Digitalisierung so schwertun, lässt sich nicht pauschal beantworten. Stattdessen versuchen wir zu erläutern, was Digitalisierung eigentlich bedeutet und welche Möglichkeiten sie dem Mittelstand bietet.

Was versteht man unter der Digitalisierung?

Digitalisierung meint ursprünglich nichts anderes, als das Umwandeln von anlogen Werten in ein digitales Format. Einer der ersten Schritte der Digitalisierung war die elektronische Textverarbeitung, die es uns ermöglicht hat, Texte digital zu speichern, zu kopieren und bei Bedarf auszudrucken oder digital zu übermitteln. Wenn wir heute von der Digitalisierung sprechen, geht es allerdings nicht mehr um die Umwandlung von analog in digital, sondern um die Übermittlung von großen Datenmengen in Echtzeit und damit verbunden um eine höhere Geschwindigkeit und Effizienz in der Datenverarbeitung. Das ermöglicht unter anderem bedarfssynchrone Beschaffungen, wie Just-in-time-Produktion oder On-Demand-Prozesse. Eine besondere Bedeutung bei der Digitalisierung kommt der Kommunikation zwischen Verbrauchern und Unternehmen zu.

Digital Natives erwarten eine andere Ansprache und schnelle Kommunikation

Unternehmen müssen verstärkt darüber nachdenken, wie sie Zielgruppen ansprechen, die bereits mit digitalen Medien und Geräten aufgewachsen sind. Diese sogenannten „Digital natives“ holen sich ihre benötigten Informationen im Internet, kaufen Produkte oder Dienstleistungen mit nur einem Klick und treten mit Unternehmen in den sozialen Medien auf Augenhöhe in Kontakt. Damit der Mittelstand hier nicht den Anschluss verliert und die Auftragsbücher auch weiterhin voll bleiben, müssen Unternehmen in die digitale Infrastruktur investieren. Das scheint auch in den Unternehmen angekommen zu sein: Laut der KfW-Studie hat zumindest der Großteil der mittelständischen Unternehmen ein Digitalisierungsprojekt gestartet. So verfügen die meisten Unternehmen mit mehr als fünf Mitarbeitern über einen Internetauftritt. Schlechter sieht es dagegen im Bereich der automatisierten Datenverarbeitung sowie bei der Vernetzung von Informationen und Unternehmenskommunikation aus. Den größten Nachholbedarf besteht bei der Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen. Hier können nur wenige Unternehmen im Mittelstand punkten. Das liegt vor allem daran, dass in einigen Branchen eine Digitalisierung noch nicht notwendig ist, zum Beispiel im Handwerk. Während viele Dienstleistungen teilweise ohne persönlichen Kontakt zwischen Anbieter und Kunde verkauft werden können, zum Beispiel im Einzelhandel, ist dies bei Handwerksleistungen deutlich schwieriger. Dennoch ist es auch für Handwerksbetriebe ratsam, sich mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Hier hat die Beschleunigung und Vereinfachung von Geschäftsprozessen, die Verwaltung von Kunden- und Auftragsdaten sowie die Terminkoordination Vorrang.

Fazit: Den Anschluss nicht verpassen

Die Einführung digitaler Techniken und Prozessabläufe kann auch kleinen und mittleren Unternehmen strategische Vorteile bringen. Effizientere Abläufe können nicht nur Kosten senken, sondern ebnen auch den Weg zu neuen Geschäftsmodellen. Der Mittelstand geht, wie der Großteil der Deutschen, aktuell sehr konservativ mit dem Thema Digitalisierung um. Die Angst vor Automatisierungen und damit einhergehenden Jobverlusten ist hierzulande groß. Die Augen vor der Digitalisierung zu verschließen, ist jedoch auch keine Option. Unternehmen, die den digitalen Wandel als Chance sehen, um das eigene Unternehmen, Prozesse und Strukturen fortlaufend zu optimieren, können sich für die Zukunft optimal positionieren.