Claudia Hodgson, Stellvertretende Leiterin Medical bei TEMPTON, spricht mit uns über die Attraktivität von Pflegeberufen

Nicht erst seit dem Bundestagswahlkampf im letzten Jahr werden die Themen Kranken- und Altenpflege heiß diskutiert. Viele Pfleger und Pflegerinnen in Deutschland fühlen sich von der Politik im Stich gelassen und vom Arbeitspensum teilweise überfordert. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn von der CDU möchte vermehrt ausländische Fachkräfte ins Land holen, um dem Personalmangel kurzfristig entgegenzuwirken. Auf lange Sicht helfen aber nur bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Vergütung für Pflegekräfte, um den Berufszweig für junge Leute wieder attraktiver zu gestalten – die Zeitarbeit hat hier schon reagiert, wie Claudia Hodgson, Stellvertretende Leiterin TEMPTON Medical, erklärt.

Frau Hodgson, Mehr Patienten, weniger Pflegekräfte – was muss die Politik ändern, damit wir wieder mehr Pflegekräfte in Deutschland bekommen?

Pflegekraft_TEMPTON Medical

TEMPTON_Medical

Claudia Hodgson: Dass wir mehr Pflegekräfte brauchen, ist unbestritten. Das erreichen wir aber nur, wenn die Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal besser werden. Hier ist ein generelles Umdenken in den Krankenhäusern und Einrichtungen, aber auch auf gesellschaftlicher Ebene nötig. Ich stehe täglich mit Krankenschwestern, Altenpflegern und Hebammen in Kontakt und kenne ihre Probleme. Kurzfristige Wochenendschichten, Nachtdienste ohne entsprechenden Ausgleich oder zu kurze beziehungsweise keine Pausen während der Arbeitszeit sind leider Alltag geworden. Das führt zu immer mehr Stress, Überlastungen und zu mehr Krankheitstagen. Das muss sich zwingend ändern, damit die Menschen wieder gerne in den Berufen arbeiten.

? Wie kann man junge Leute wieder konkret für Pflegeberufe begeistern, abgesehen von einer besseren Bezahlung? Welchen Beitrag kann hier die Zeitarbeit leisten?

Claudia Hodgson: Ich habe viele Pflegekräfte kennengelernt und weiß: Sie alle eint die Liebe zu ihrem Beruf. Die tägliche Arbeit mit kranken und älteren Mitmenschen kann sehr erfüllend sein. Dafür bedarf es aber auch der nötigen Zeit, um den Menschen umfassend helfen zu können. Es ist meiner Ansicht nach nicht der Beruf,  der abschreckt, sondern die Bedingungen und die teilweise geringe Vergütung. Eine Pflegekraft in der Personaldienstleistung  verdient grundsätzlich mehr als im Krankenhaus, darüber hinaus gibt es oft noch zusätzliche Leistungen, wie zum Beispiel einen Firmenwagen. Priorität haben zudem immer die Bedingungen, die miteinander vereinbart wurden:  welche Schichten möchten die Bewerber übernehmen,  an wie vielen Wochenenden muss gearbeitet werden oder ähnliches. Da wir uns um die Kommunikation mit dem Kunden – beispielsweise ein Krankenhaus – kümmern, kann sich unsere Pflegekraft auf die Bedingungen und Arbeitszeiten verlassen, die wir mit ihr vereinbart haben.

? Kurzfristig scheint der Mangel an Pflegekräften wohl nur über Rekrutierungen im Ausland zu funktionieren. Wie stehen Sie zu dem Vorschlag von Herrn Spahn und rekrutiert TEMPTON Pflegekräfte auch außerhalb Deutschlands?

Claudia Hodgson: Pflegekräfte aus dem Ausland in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren ist sicherlich eine sinnvolle Maßnahme. Unsere Erfahrungen mit Pflegekräften dem Ausland waren bislang positiv. Das Lernen der deutschen Sprache und die Bürokratie, vor allem die Anerkennung des Examens, sind dabei die größten Herausforderungen. Aktuell bauen  wir den Bereich Pflegefachkräfte aus dem Ausland  im Recruiting strategisch auf. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass dies kaum etwas an den Bedingungen in der Pflege ändern wird. Eher stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoll wäre,  für Pflegehilfskräfte  mit jahrelanger Erfahrung die Möglichkeit zu schaffen, sie so zu schulen, dass sie durch eine Prüfung einer examinierten Pflegekraft gleichgestellt sind.

Mehr über den Fachbereich Medical sowie spannende Stellenangebote im medizinischen Bereich findet ihr auf der TEMPTON Medical Homepage.